22 qm Schärenkreuzer

  • Hallo,


    ich bin der Neue hier.


    Mein Ziel ist es ein Segelboot selber zu planen und zu bauen. Vor über 30 Jahren habe ich das letzte Segelboot selbst gebaut. Es war eine Mistral 2 aus einem Buch von F.K. Ries (kennt den noch einer?) Von demselben Autor stammte auch der plan des Vorgängerbootes. Das war die Passat. Beides sehr schöne recht klassische Modelle ohne Regattaambitionen, aber damals schon Unikate, weil auch der Rumpf Eigenbau war.


    Irgendwie bin ich beim Surfen im Netz auf die Idee gekommen, meine Jugendträume weiterzuführen, Ich weiß nicht ob das jetzt Midlifecrisis ist, oder wieso ich nach so langer Zeit wieder drauf gekommen bin, aber es fasziniert mich zur Zeit einfach mal wieder was aus Holz selbst zu bauen. Vielleicht zieht es mich einfach auch nur an's Wasser nach Jahren des Flugmodellbaus.


    Also Bilder im Netz geschaut. Am besten gefallen mir die schwedischen Schärenkreuzer. Zum einen ist Schweden mein bevorzugtes Urlaubsland und zum anderen ist die Form dieser Boote einfach sehr elegant.


    Nach einiger Recherche habe ich mich für die 22 qm-Klasse entschieden, da hier bei einem 1:5 Modell bei einer Rumpflänge von 2 m etwa die gleichen Verhältnisse (Bootsgewicht, Tiefgang, Masthöhe und Segelfläche) herrschen, wie weiland bei meiner Passat, welche ich vor kurzem bei meinen Eltern auf dem Dachboden gefunden habe. Also habe ich mich ans CAD gesetzt und gezeichnet. Ich habe kein spezielles Vorbild, sondern will den Character eines Schärenkreuzers erhalten.


    Die Spanten und das Kielholz werde ich auf meiner CNC-Fräse herrstellen. Als Beplankung stelle ich mir 3 mm Mahagonileisten im Überwasserschiff vor. Fürs Unterwasserschiff sollte billige Kiefer genügen.


    Angehängt sind mal Ausschnitte aus dem Entwurf.


    Über Anregungen, Tips usw. würde ich mich freuen. Hoffentlich bringe ich das Projekt zu Ende.


    Gruß


    Lothar

  • Nee,


    das war schon 70/71 (1900) :lach:


    Die Serie war für mich als Jugendlicher ein MUSS (damals noch mit SZ). Er hat seinerzeit wirklich schöne Risse gezeichnet. Allerdings meistens in Richtung M-Boote.


    Ja, und so einen echten Kreuzer würde ich auch gerne restaurieren und besitzen, aber solange ich mit meinem Einkommen schon so kaum auskomme, werde ich wohl beim Modellbau bleiben. Da sind dann auch die Liegeplatzgebühren und das Winterlager schon abbezahlt :fg:


    Die Fräsarbeiten sind erstmal erledigt. Anbei mal ein Bild der Spanten und des Kielbrettes. Als nächstes wird eine stabile Helling gebaut.


    Gruß


    Lothar

  • soooo...


    die Spanten habe ich mal auf die Helling geleimt. Ich glaube, der Entwurf des Linien- und Spantenrisses ist einigermaßen gelungen, denn die Überprüfung des Straks mit einer Leiste ergab nur minimale Beulen im Verlauf.


    Die Helling ist billige 17mm Spannplatte zum Hohlprofil verleimt. Gesamtkosten unter 6 Euro, da der Zuschneider im Baumarkt Reste nehmen konnte. Durch die Bildung des Hohlprofils ist sie sehr verwindungssteif.


    Jetzt werde ich die Decksstringer noch einleimen und dann auf die Lieferung meiner Mahagonileisten warten.


    Mal eine Frage an die Holzspezialisten: Womit würdet ihr die Planken auf die Spanten bzw untereinander verkleben? Weißleim, Uhu-Hart...oder was :???:


    Lothar

  • Danke für den Tip.


    Ich werde dann wohl nach alter Väter Sitte Weßleim nehmen. Weiß jemand wo man Ponal Wasserfest in anderen Gebinden als Tuben bekommt?


    Heute habe ich mal kurz mit einem alten Bootsbauspezi (weit über 80) telefoniert. Er hat mir den Leim empfohlen und mir noch gleich das Schäften der Planken nahegelegt.


    Heute schnell die Decksstringer eingeleimt. Werde ich über's Wochenende mal ein wenig verschleifen und dann das ganze Gerüst noch etwas mit der Schleiflatte überarbeiten, dann passt das, bis die Leisten kommen.


    Lothar

  • Hallo Lothar,


    vielleicht nur eine kleine Hilfe,
    schau doch bitte mal bei Ebay dort gibt es Anbieter die diesen Leim in Eimern verschiedenster Gebindegrössen anbieten.


    Alternativ mal googeln, dort findet man auch einige Anbieter.


    Vielleicht findest Du dort etwas.



    Viele Grüsse
    Wolfgang

  • Bei dieser Gelegenheit:


    Danke für die Willkommensgrüße.


    Ich habe hier schon viel gelesen und auch gelernt.


    Über das viel zu heiße Wochenende habe das Gerüst ein bisschen mit der Scheiflatte bearbeitet. Heute sollten meine Mahagonileisten zum beplanken ankommen, dann geht's endlich weiter.


    Ich habe mir bei Amazon Literatur aus "der guten alten Zeit" bestellt. Ich suche nämlich immer noch Konstruktionshinweise zur Lage von Segelflächen im Verhältnis zum Lateralschwerpunkt des Rumpfes.


    Der Tiller und der Ries sind -glaub ich- immer noch lesenswert.


    Der Tip mit dem Leim aus der Bucht war übrigens auch gut. Ist geordert.


    Gruß


    Lothar

  • Tach,


    am Montag sind meine Leisten gekommen. Morgen kommt Nachschub, da die ersten 70 verarbeitet sind. Wenn man immer schön links und rechts eine Planke, die aus 2 geschäfteten Leisten besteht, aufleimt, kann man eigentlich alle 3/4 Stunde einen Plankengang setzen. Der wasserfeste Ponal bindet bei diesem Wetter recht schnell ab.


    Ich habe dann mal die Oberfläche des bisher beplankten Teils grob bearbeitet. Das Ergebnis seht ihr auf den Bildern. Ich hoffe am nächsten Wochenende die Beplankung fertig zu haben und frage mich nun, womit ich das Holz lackeiren soll.


    Nimmt man eigentlich noch Bootslack für so einen Rumpf oder gibt es da schon was besseres? Was wird eigentlich heute als "Porenfüller" oder Grundierung verwendet?


    Für Hilfe und Tips bin ich wie immer dankbar.


    Lothar

  • Wenn ich die Linien des Bootes sehe, wird mir warm ums Herz. :2:


    Grundierung brauchst du nicht und von Porenfüller würde ich auch abraten. Beides würde die Poren zusetzen und eine tiefes Eindringen des Lackes und damit eine tiefgründige Konservierung verhindern.


    Das Holz muss seinen Kapillareffekt behalten, damit der Lack gut eingezogen werden kann.


    G8 ist eine heißer Kandidat für solche Geschichten, aber auch Epoxyd verdünnt mit Aceton lässt sich bestens arbeiten.


    Letzteres ist später extrem widerstandsfähig, auch gegen Stoß und vor allem gegen Feuchtigkeit. Kennt man z.B. aus der Messgriffveredelung, ist sog. Staminaholz, stabilisiertes Holz, bei dem die Schwindungsprozesse komplett aufgehoben werden.


    Ist allerdings auch eine recht langwierige Prozedur nicht unter 10 Schichten über mehrere Wochen. Aber der Aufwand lohnt sich wirklich.


    Einen ausführlichen Bericht finden du hier

  • Danke für den Link Andreas,


    allerdings liest sich das ganze so, als wäre es äußerst langwierig. Ich frage mich, ob meine Geduld für dieses Verfahren ausreicht. :no2:



    :???:
    G4 habe ich schonmal verarbeitet. Ist G8 geeigneter? Bei G4 habe ich das Gefühl gehabt, dass z. B. Birkensperrholzoberflächen nach einiger Zeit "vergilben". Ist da G8 eventuell besser? Beides kann ich in meiner Nähe besorgen.


    Ich möchte den Rumpf einfach recht flott wasserfest und -dicht haben, um das Blei in den Kiel eingiessen zu können. Erst dann kann ich mit dem Bau von Segelwinden und Technik in den Rumpf beginnen.


    Mein Ziel ist, im nächsten Frühjahr damit zu segeln....


    Lothar

  • Quote

    nach einiger Zeit "vergilben". Ist da G8 eventuell besser?


    Yepp, G8 vergilbt nicht, das ist der Vorteil gegenüber G4


    Quote

    Ich möchte den Rumpf einfach recht flott wasserfest und -dicht haben


    Gegen G8 spricht nichts. Aber hab die Geduld. Du musst auch nicht zwingend eine Woche warten, sondern du kannst ebenso nach Gefühl arbeiten, ist die jeweilige Lackschicht getrocknet, kannst du die nächste drüber setzen.


    Bei meiner Antares hat sich die Lackierung damals über mehrere Wochen hingezogen.


    Das was du an Zeit investierst, wird dir mit Langlebigkeit gedankt und die Oberfläche wird erste Sahne.


    Holz flott konservieren bedeutet, der Lack bleibt oberflächlich, größerer Rempler und Spannung beim Arbeiten des Holzes könnten Haarrisse verursachen, Wasser dringt ein. Ohne jetzt die Hühner aufzuscheuchen.


    Ich habe so einen Marathon gerade hinter mir mit einem Holzdeck, hier, allerdings mit tuchmattem Lack, aber trotzdem sind es mittlerweile wieder 8 Schichten geworden.


    Die Lackierphase sollte dich nicht davon abhalten weiterzuarbeiten, da ist meistens jede Menge was gemacht werden kann wie Beschläge, Blöcke, Mast uswusf. Das sind Zeiten, wo der Rumpf nur "dumm rumsteht", sozusagen.


    Quote

    um das Blei in den Kiel eingiessen zu können.


    Willst du heiß gießen oder kalt vergießen?


    Ich trimme erst möglichst spät, wenn ich alles an Gewicht zusammen habe, wie Aufbauten, Deck, Mast, Spieren, Segel, Elektrik und sonstige Einbauten.

  • Da kann ich Andreas nur beipflichten mit G8 liegst du auf jeden Fall richtig und lass dir bei der Verarbeitung viel Zeit, so wirst du an dem Boot lange Spaß haben.


    G4 hat im Gegensatz zu G8 keinen UV-Plocker drinn, darum vergilbt G4 mit der Zeit.


    Liebe Grüße


    Ralf

  • Danke!


    das mit dem G8 und dem UV-Blocker gefällt mir schon recht gut. Ich will nicht nerven, aber gestern Nacht habe ich noch Yachtlack von Clou im www gefunden. Ist sowas auch eine Alternative?


    Ich will den Kahn nicht fertig trimmen, sondern etwa 80% des Ballastes in den Kiel einbringen. Dafür muß das Boot in's Wasser. Das Blei wird dann heiß direkt in den Rumpf eingegossen. Dabei riecht das Holz zwar etwas verbrannt, aber das habe ich früher häufiger praktiziert. Aufgrund der Kühlung von aussen mit Wasser passiert da nichts. Zuletzt wird dann noch etwas Epoxydharz drübergekippt und alles ist fixiert. Viel tiefer kann man das Blei kaum anordnen, ausser man gießt einen Bleikiel in einer Form und schraubt ihn dann an das Boot an.


    Die Antares ist übrigens ein Traum :resp:


    Ach ja, der Rumpf meines 22er's ist 2 Meter lang. Maßstab ca. 1:5, ca.-Angabe da Eigenentwurf.


    Lothar

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